Mein Eindruck über die virtuelle Welt:
Knapp 12 Millionen Menschen sollen da registriert sein. Wo sind die alle? Ich bin da durch leere Landschaften rumgeflogen, ab und an hab ich mal jemand getroffen. Das waren dann in der Regel ebenso Anfänger wie ich. Selbst mir als Informatiker erschliesst sich nicht sofort intuitiv, was man wo machen muss, um “irgendwas sinnvolles” zu machen.
Allein die Gestaltung meines Avatars war schon schwierig genug. Wenn man jemand versucht zu fragen(Falls man jemand findet) , gibt es oft keine Antwort. Das ist wohl wie so oft, der Profi mag sich nicht ständig mit den Anfängerfragen abgeben. Kann man ja auch einigermaßen nachvollziehen.
Was kann man jetzt da alles machen? Einkaufen zum Beispiel!
Es gibt kaum eine größere Firma oder Marke, die keine Repräsentanz in Second Life eröffnet hat – von BMW über DaimlerChrysler, Adidas und Quelle bis hin zu unzähligen Medien. „Bild“ gibt eine virtuelle Tageszeitung heraus, und auch das Hochglanzmagazin „Vanity Fair“ präsentiert sich in Second Life. Auch ganze Städte sind schon entstanden, die man virtuell durchstreifen kann: Frankfurt, Barcelona, Amsterdam oder Berlin.
Aber interessiert das alles die User wirklich? Was bringt es einem Autokonzern, wenn er einen Showroom im Internet hat – die Grafik aber so schlecht ist, dass eine Probefahrt wenig Spaß macht?
Alle haben Angst, dass sie etwas verpassen könnten, wenn sie sich nicht in der neuen Welt präsentieren. Das freut vor allem die Betreiber von Second Life – und die Programmierer, die dann die virtuellen Auftritte gestalten sollen.
Ich habe noch nichts gefunden außer belanglose Gespräche, Einkaufen (natürlich die hippen Sachen) und eben abhängen. Ok, zu den Angeboten von virtuellem Sex bin ich nicht vorgedrungen. Da bin ich dann zu gern in meinem echten Leben unterwegs, als dass ich mir das antun werde.
Es geht in Second Life also hauptsächlich um Kommerz, Status und Sex. Und ich dacht echt, da kann man eine neue, bessere Welt aufbauen. Alles ein oberflächliches Abhängen.
Toll, ich hänge vor dem Computer ab um im Second Life abzuhängen.
Gibt es eigentlich Internet im Second Life? Kann ich in Second Life eigentlich meinem Avatar einen Internetzugang verschaffen? Und gibts dann im Second Life ein Third Life? Dann kann mein Avatar für mich das übernehmen und ich les einfach ein Buch. So verpass ich wenigstens keinen Hype während ich mich so etwas Verwerflichen widme wie der Phantasie, die in meinem Kopf nur für mich abläuft, wie durch zum Beispiel ein gutes Buch.
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Ha, das gefältt mir! Die Idee mit “Third Life”… Aber im Ernst: ich habe auch einen Avatar “erschaffen”, weil ich mir mal die FIliale von bol.de ansehen wollte. Das hat mich Stunden gekostet! Allein schon die Namensfindung! Und dann – wie du sagst – dröge Grafik, kaum Interaktionsmöglichkeiten und auch wenig User unterwegs. Vielleicht ist das alles anders, wenn man für SL zahlt, dann eröffnen sich, glaube ich, mehr Möglichkeiten. Aber ich denke, von den 12 Millionen Menschen in SL sind 90% so wie ich und du – Avatar erstellt, reingesehen und nie wieder genutzt…!
Womöglich sind wir gar nicht First Life?
Aber das wurde ja schon oft beschrieben. Mein erster Kontakt zu der Idee war “Welt am Draht”, ein zweiteiliger Fernsehfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1973. (Die Gnade der frühen Geburt *grins*) Vorlage war der 1964 erschienene Science-Fiction-Roman Simulacron-3 von Daniel F. Galouye.
Naja, World Of Warcraft war dann doch spannender. Zumindest für einige Zeit. Irgendwann wirds auch langweilig – ok, nicht für jeden.